Pilze kommen in unserer Umwelt ubiquitär, d.h. überall, vor. Sie haben ihren festen Platz auf und in unserem Körper. Bei einem Gleichgewicht zwischen Bakterien und Pilzen und einer normalen Abwehrlage des Körpers sind wir gesund.

Die medizinisch relevanten Pilze können wir in die

1. Dermatophyten (Hautpilze),
2. Hefen
3. Schimmelpilze

einteilen. 

 

Biologische Leistungen von Pilzen

Pilze können Antigene darstellen, wirken aber auch selbst als  ganze Zelle oder nur durch einzelne Zellbestandteile als solche. Werden Sporen oder andere freie Bestandteile z. B. in die Raumluft abgegeben können diese als teils starke Allergene wirken, das heißt, sie können eine Allergie auslösen. Durch die Bildung extrazellulärer Enzyme ist es den Pilzen möglich, die den Körper schützende äußere Haut oder Schleimhäute zu durchdringen und als Nährstoffgrundlage zu nutzen. Die keratolytischen und proteolytischen Enzyme zerstören die Haut und ihre Anhangsgebilde, wie z.B. die Haut an Händen und Füßen, Nägel, aber auch die Hornhaut des Auges kann angegriffen werden.

Viele Pilze können Toxine bilden, wie das Aflatoxin durch Aspergillus flavus, dieses spielt bei verdorbenen Nahrungsmitteln (z.B. Nüsse, Pinienkerne, Bohnenkonserven) eine Rolle.

Durch die Struktur und Zusammensetzung der Zellwand der Pilze bedingt haben sie eine ausgezeichnete Haftfähigkeit an unserer Haut und Schleimhaut. Sie ermöglicht bereits nach kurzzeitigem Kontakt eine feste Bindung an den Wirtsorganismus. Diese Eigenschaft ist für den Zahnarzt und Zahntechniker relevant, da die leichte Übertragbarkeit von Pilzen häufig unterschätzt wird.

Aber auch auf das Überstehen bei ungünstigen Umweltbedingungen  haben sich einige Pilze angepaßt. Sie bilden Sporen aus, die gegenüber schädigenden Einflüssen, wie Temperatur aber auch Chemikalien, sehr beständig sind. Dadurch ist ein Überleben für längere Zeit unter fast allen Bedingungen gegeben. Ein Beispiel ist Candida albicans, der Weiße Pilz, der auch in unserer Mundhöhle lebt und über seine Dauersporen sehr gut überlebt.

Damit sich eine Pilzinfektion ausbilden kann, sind neben dem Pilz selbst noch prädisponierende Faktoren zu nennen, die den Infektionsvorgang erleichtern können. Dazu gehören exogene und endogene Faktoren.

Zu den exogenen (äusseren) Faktoren zählen Feuchtigkeits- und Wärmestau, Hautschädigungen durch Chemikalien, Verbrennungen, Quetschungen und Abschürfungen. Aber auch anhaltende Kompressionen der Haut und eine schlechte lokale Abwehrlage sind hier zu nennen.

Bei den endogenen (inneren) Faktoren sind es Störungen des Stoffwechsels, des Endokriniums und der zellulären und humoralen Abwehr. So wird deutlich, warum AIDS - Patienten, Diabetiker, Leukämiepatienten u.a. meist eine begleitende Candidose haben.

Dermatophyten

Die Dermatophyten sind Ursache von Pilzinfektionen der Haut und ihrer Anhangsgebilde, wie Haare und Nägel. Es sind drei Gattungen von humanpatogenen Keimen zu unterscheiden:

  • Trichophython,
  • Microsporum und
  • Epidermophyton.

Der Zahnarzt erkennt diese im Falle einer Infektion und überweist zielgerichtet.

Die Dermatophyten beschränken sich immer auf die äußere Haut, da sie Temperaturbereiche oberhalb ca. 28°C nicht vertragen und absterben.
   

Pilzkultur

Ein typischer Vertreter der Hautpilze ist Trichophyton rubrum, welcher Haut- und Nagelmykosen (mehr als 90% der Nagelmykosen) verursacht.
Die bevorzugte Lokalisation der Infektionen mit T. rubrum sind die Zehenzwischenräume und andere Areale.

Nagelpilz

Eine Nagelmykose mit Zerstörung der Nagelplatte durch den Pilz.

Bartflechte

Ein typischer Vertreter der zoophilen Hautpilze ist Microsporum canis. Er wird von Hund und Katze auf den Menschen übertragen und löst schwere Hautinfektionen aus.

Die Bartflechte (Tinia barbae) ist weit verbreitet, häufig falsch diagnostiziert und behandelt.

 


   

Der  Zahnarzt sieht derartige Infektionen gelegentlich an unbekleideten Hautpartien seiner Patienten (Kopf, Hals, Arme). Eine Diagnostik und Therapie wird vom Zahnarzt nicht durchgeführt, sondern er überweist im Verdachtsfall an den Dermatologen oder direkt zum Mykologen.

Hefen

Für oralpathologische Vorgänge im Mund sind besonders die Hefen  unter den Pilzen von Bedeutung. Sie können im Gegensatz zu den Dermatophyten in dem Biotop Mundhöhle mit einer Temperatur von etwa 37°C existieren. Als wichtigste Vertreterin ist die Gattung Candida  zu nennen.  Das bekannteste Krankheitsbild ist der Soor, von Kleinkindern und Säuglingen gut bekannt.

Das Krankheitspotential einiger Hefen ist durch die Fähigkeit Keimschläuche zu bilden und einem invasivem Wachstum ins Gewebe besonders hoch. Diese Keimschläuche sind in der Lage die Schleimhautbarriere zu durchbrechen und eine Infektion tieferer Gewebsschichten oder innerer Organe hervorzurufen.

Soor

Schwerer Soorbefall bei einem AIDS-Patienten

 

Das klinische Erscheinungsbild im Munde bei einer Mykose ist mannigfaltig. Ein Vorkommen von Pilzen im Mund muss nicht bedeuten, dass eine Mykose vorliegt. Solange die Hefen im Rahmen einer normalen Standortflora vorliegen, hat dieser Befund keinen krankmachenden Wert. Die Kontamination mit Hefen in der Bevölkerung liegt bei nahe 100 %.

Derartige Symptome mit deutlichem Ansteigen der Pilze im Mund werden auch bei längerfristiger oder hochdosierter Gabe von Antibiotika oder Zytostatika, Abwehrschwäche oder schweren Allgemeinerkrankungen beobachtet.

Der erste Kontakt des Organismus mit den Hefen findet unter der Geburt oder kurz nach der Geburt statt. Die Besiedlung des Mundraumes mit Hefen ist vom Alter, der Bezahnung und dem verschiedener lokaler Einflüsse abhängig. Es bildet sich zwischen den Hefen, den aeroben und anaeroben Bakterien ein Gleichgewicht heraus. Während wir beim Unbezahnten (Kind oder Erwachsener) Aerobier und Hefen in der Mundhöhle finden, verschiebt sich das Verhältnis mit Vorhandensein der Bezahnung und dem Auftreten von Zahnfleisch- und Gebissschäden zu Gunsten der Anaerobier. Anaerobier und Pilze werden in ihrem Wachstum aber auch durch die Eingliederung von Zahnersatz (Schlupfwinkel) begünstigt. Viele Arten diese beiden Erregergruppen können gänzlich oder teilweise anaerob existieren, sodass alle Mund- und Gewebsbereiche befallen werden können. Eine Rückverschiebung zu den Aerobiern tritt erst mit der Zahnlosigkeit ein.

Alle 3 Gruppen von Mikroorganismen (Aerobier, Anaerobier, Pilze) gehören zur Standortflora des Mundes. Erst eine gravierende Verschiebung ihres Verhältnisses zueinander  kann klinische Symptome auftreten lassen, dann sind wir krank.

Pilzdiagnostik oraler Mykosen

Die Pilzdiagnostik oraler Mykosen ist für das geschulte Auge eines spezialisierten Zahnarztes, Hautarztes oder Mykologen relativ einfach und sicher. Neben dem klinischen Befund am Patienten ist eine Pilzkultur anzulegen und parallel die mikroskopische Diagnostik in die Wege zu leiten. Die Anfertigung von sogenannten Resistogrammen ist sinnvoll, um eine hoch wirksames Antimykotikum (Pilzmittel) auswählen zu können.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine richtige Mund- und Zahnpflege hilft eine Pilzinfektion zu vermeiden. Dazu gehört auch das Bürsten z.B. des Zungenrückens, da sich  in den Falten der spezialisierten Schleimhaut bevorzugt Pilze ansiedeln können.

Die Therapiemöglichkeiten bei Pilzinfektionen in der Mundhöhle sind durch eine ähnliche Zellstruktur von Pilzen und denen höherer Lebewesen, wie beim Menschen eingeschränkt. Deshalb werden Medikamentenkombinationen und speziell gegen Pilze wirkende Medikamente angewendet.

Das Abstellen der prädisponierenden Faktoren und Behandlung von Grunderkrankungen ist die wichtigste Voraussetzung einer erfolgreichen antimykotischen Therapie.

Eine Behandlung muss immer über einen therapeutisch sicheren und wirksamen Zeitraum, ähnlich einer Antibiotikatherapie, und in ausreichender Dosierung durchgeführt werden. Neben der Mundschleimhaut sind auch die Zähne (kariöse Defekte, devitale Zähne, parodontale Erkrankungen) und evtl. die Tonsillen durch den HNO - Arzt  zu überprüfen und zu sanieren. Sie sind die wichtigsten Quellen für die Unterhaltung der Infektion. Herausnehmbarer Zahnersatz ist gründlich zu reinigen, alte Prothesen möglichst zu erneuern oder wenigstens zu unterfüttern. Nur so kann das kontaminierte Material aus der Mundhöhle entfernt werden und die Schleimhaut ausheilen. Untersuchungen an Prothesenoberflächen haben gezeigt, dass die Pilze in der Lage sind in diese Materialien mit ihren Keimschläuchen einzudringen.

Neben der Mundhöhle soll bei einer Mykose der Darm mit saniert werden. Verschluckte Blastosporen (Pilzzellen) werden während der Darmpassage nur zu einem geringen Prozentsatz abgetötet. Sie können durch Schmierinfektion dagegen den perianalen und urogenitalen Bereich infizieren. Durch mangelnde Hygiene, wie fehlende Händereinigung nach Toilettenbenutzung und seltenes Wechseln von Handtüchern u.ä. schließt sich der Kreis zum Mund. Auch die gemeinschaftliche Benutzung von Handtüchern, Wäsche, Zahnbürsten u.a. kann zur Übertragung von Hefen führen.

Sinnvoll ist die Einbeziehung des Lebenspartners des Patienten in die Diagnostik und Therapie, um einen Rückfall der Infektion zu vermeiden.

Zur täglichen Prothesenpflege können  neben der mechanischen Reinigung Produkte, wie Corega - Tabs empfohlen werden. Sie wirken antimykotisch.

Eine primäre Behandlung von Pilzinfektionen wird durch gesetzliche Krankenkassen übernommen. Ist bei schwierigen Fällen ein erhöhter Aufwand oder Nachkontrolluntersuchungen binnen eines Jahres notwendig, ist dies durch den Patienten zu übernehmen.

Im Bereich der Pilzbehandlungen besteht eine sehr fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Professor Dr. Hans-Jürgen Tietz vom Institut für Pilzkrankheiten und Mikrobiologie in Berlin. Aus dieser Zusammenarbeit sind auch eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen und Veröffentlichungen entstanden.

Weitere Informationen auch unter: www.institut-fuer-pilzkrankheiten.de